Geschichte des Brandschutzes in Europa
|
 |
Vor 400.000 Jahren lernte der Mensch, sich
das Feuer zunutze zu machen.
Vor 10.000 Jahren lernte er, es selbst zu entzünden.
Aber wie lernte er es zu kontrollieren? ...
Vorzeit
Zunächst waren die Menschen dem Feuer hilflos ausgeliefert. Doch war
Brandschutz trotzdem kein Thema. Bei den Germanen war Feuer ein lebendiges
mit der Zunge leckendes Tier, das mit Stockschlägen bekämpft
wurde.
Abgesehen von großen Waldbränden konnten Brände aber
auch keinen großen Schaden anrichten, da die Siedlungen sehr klein
waren und weit auseinander lagen. Von großen Stadtbränden konnte
nicht die Rede sein. Noch die Germanen siedelten sehr weit voneinander
und bauten sehr einfache Hütten, die schnell wieder aufgebaut werden
konnten.
|
Römerzeit
Brände in Rom
Die alten Römer waren Meister der Baukunst. Es entstanden große
Städte - allen voran natürlich Rom. Rom hatte zur Zeit des neronischen
Brandes (Juni 64 n.Chr.) zwischen 1 und 1,5 Millionen Einwohner. Die Häuser
waren meist mehrstöckig und standen sehr eng beieinander, weil die
Gassen sehr eng waren. Vielfach wurden hölzerne An- und Vorbauten
an den Häusern errichtet. Das klingt alles sehr feuergefährdet
- und das war es tatsächlich auch. Etliche Male vernichteten große
Feuersbrünste ganze Stadtteile von Rom. Alleine der neronische Brand wütete
10 Tage und zerstörte 3 von 14 Regionen der Stadt völlig und 7 Regionen
bis auf ein paar Ruinen.
Obwohl Brandstiftung hart bestraft wurde, kam sie sehr häufig
vor. Es gab keine Feuerversicherung, aber bei den großen Bränden
leistete der Staat Unterstützung für die geschädigten Bürger.
Brandschutz in Rom
Es ist nicht verwunderlich, daß die Römer das Thema Brandschutz
ernst nahmen und erste Schritte unternahmen, die in die Richtung unserer
heutigen Feuerwehren zeigen.
Im Jahre 21 v. Chr. wurde eine Feuerwehr aus 600 Sklaven gegründet.
Zur Zeit Augustus gab es ein Feuerlösch-Corps, das aus 7 Kohorten
zu je 1000 Mann bestand. Jede Kohorte war für zwei Stadtteile in Rom
zuständig.
Die alten Römer kannten noch keine Schläuche, obwohl sie
Meister der Wasserförderung waren. Statt dessen gehörten zur
Ausrüstung Spritzen, Eimer, Leitern, Stangen, Decken, Körbe,
Schwämme, Besen, Lappendecken (mit Wasser getränkt zum Schutz
der Nachbarhäuser), Einreißhaken, Sägen und Hämmer.
In den Feuerlöschkohorten gab es Wasserträger, Spritzenleute,
Leute mit Löschdecken und Zuständige für die Beleuchtung
am Brandplatz.
Nach dem großen neronischen Brand wurden Bauvorschriften erlassen,
um die Feuergefahr zu vermindern. Die Straßen wurden breiter, es
wurden mehr Plätze angelegt und die Stockwerkzahl der Häuser
wurde beschränkt.
|
Mittelalter
Im Mittelalter erlebte der Brandschutz einen großen Rückschritt.
Das Feuer galt als eine Strafe Gottes, in die nicht eingegriffen werden
durfte. Man versuchte, das Feuer mit Altartüchern zurückzudrängen
und die Häuser mit Weihwasser zu besprengen. Eigentlicher Brandschutz
galt vielfach als Gotteslästerung. In der Regel wurde nicht gelöscht,
sondern die Bewohner flüchteten vor dem Feuer.
Dabei wütete das Feuer im Mittelalter sehr oft. Dabei kam es zu
ungewollten Bränden, aber auch zu Brandstiftungen.
Noch im 12. und 13. Jahrhundert waren Schornsteine unbekannt. Die Städte
waren aber schon recht groß, so daß das 12. - 14. Jahrhundert
die Periode der großen Brände war. Lübeck brannte im 12.
Jahrhundert mehrfach ab. Straßburg brannte im 14. Jahrhundert achtmal
ab. Neben Feuern, die sich aus Unachtsamkeit unkontrolliert ausweiteten
und Brandschatzungen in Kriegen, kam es auch häufig zu Brandstiftungen
von Mordbrennerbanden. Erst ab dem 14. Jahrhundert brannte es weniger,
da ab diesem Zeitpunkt solider gebaut und mehr Steine für die Bauten
verwendet wurden.
Ganz tatenlos sah man aber auch im Mittelalter dem Feuer nicht zu.
So gab es zum Beispiel Verordnungen, daß abends aber einer bestimmten
Zeit alle Feuer ausgemacht werden mußten. Dies wurde vom Nachtwächter
kontrolliert. Im 13. - 14 Jahrhundert gab es die ersten Feuerlöschverordnungen.
Darin wurde zum Beispiel geregelt, daß Wein- und Wasserträger
oder auch Bader bei Feuer sofort mit ihren Eimern Wasser zur Brandstelle
bringen mußten. Auch wurden Nachwachen eingerichtet. Vermehrt wurden
Wasserschöpfstellen durch Pumpwerke ständig mit Wasser versorgt
und es entstanden nach und nach Wasserwerke.
Als Ausrüstung standen nur Ledereimer, Wasserfässer, Feuerhaken
und Dachkrücken zur Verfügung. Erst ab dem 14. Jahrhundert gab
es einfache Spritzen, die zunächst mit Eimern gespeist wurden. Erst
im 17. Jahrhundert wurde der Schlauch erfunden, der zunächst aus genähtem
Leder war; später wurde das Leder vernietet.
Mitte 18. Jahrhundert wurden Hanfschläuche erfunden, die aber
erst 100 Jahre später zuverlässig eingesetzt werden konnten,
nachdem man ihnen eine Gummieinlage verpaßt hatte.
Zwar wurde die eigentliche Feuerspritze 250 vor Chr. von Ktesibios
aus Alexandria erstmals erfunden, doch ging dieses Wissen später verloren.
Im 16. Jahrhundert wurde die Feuerspritze zum zweiten Mal erfunden. Erst
Mitte des 19. Jahrhunderts bekamen die Spritzen auch ein Saugwerk, mit
dem sie das Wasser selbständig über Rohre oder Schläuche
ansaugten.
|
Gründung der Feuerwehren
Zwar wurden in Amerika bereits im 18. Jahrhundert die ersten Feuerwehren
ins Leben gerufen. Doch in Europa wurden erst Mitte des 19. Jahrhundert
die ersten Freiwilligen Feuerwehren gegründet. Sie gingen oft aus
den Steigerabteilungen der Turnvereine hervor. Welche Stadt die erste Freiwillige
Feuerwehr gegründet hat, läßt sich heute nicht mehr genau
sagen. Zu den ersten zählen aber auf jeden Fall Meißen, Barmen,
Genf, Basel und Durlach. 1851 wurde die erste Berufsfeuerwehr Deutschlands
in Berlin gegründet.
Die erste Feuerwehrversammlung fand am 10.7.1853 in Plochingen mit
10 Feuerwehren statt. Im Jahr darauf waren es bereits 20; 1862 waren es
135 Feuerwehren.
In Hessen erließ Ernst Ludwig, Großherzog von
Hessen und bei Rhein, am 29. März 1890 per Gesetz eine
Landesfeuerlöschordnung. Auszug:
"Hiernach hat jede Gemeinde die nötigen Feuerlösch-
und Rettungsgerätschaften anzuschaffen und im Stande zu
halten, für Beschaffung von Wasservorräten, soweit
es die Verhältnisse gestatten, sowie für die
Einrichtung und Unterhaltung einer ausgerüsteten und
eingeübten Feuerwehr und eines sachgemäßen
Feuermeldewesens zu sorgen."
Daraufhin wurden in Hessen viele Feuerwehren gegründet, was
erklärt, warum zur Zeit so viele Feuerwehren ihr
100-jähriges Jubiläum feiern.
|
 |
|