RüstWagen / GeräteWagen

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Rüst- und Gerätewagen dienen den Feuerwehren zur Durchführung von Technischen Hilfeleistungen aller Art. Rüstwagen werden nach Größe und Umfang der Beladung (RW 1, RW 2 und RW 3) unterschieden, Gerätewagen nach ihrem jeweiligen Einsatzzweck (z.B. GW-G = Gerätewagen Gefahrgut, GW-N = Gerätewagen Nachschub).


Rüstwagen

Rüstwagen dienen zur Technischen Hilfeleistung (z.B. Rettung eingeklemmter Personen, Bergung von Fahrzeugen, Beseitigung von Hindernissen, Ausleuchtung von Einsatzstellen, etc.). Sie werden je nach Größe und Umfang der Beladung unterschieden in RW 1, RW 2 und RW 3.

RW 1:
Diese Fahrzeuge sind überwiegend bei Freiwilligen Feuerwehren zu finden. Sie dienen zur Durchführung einfacher Technischer Hilfeleistungen, auch größeren Umfangs. Sie verfügen über eine festeingebaute maschinelle Zugeinrichtung (50 kN), einen festeingebauten Generator (12 kVA) sowie einen am Heck des Fahrzeugs montierten teleskopierbaren Lichtmast mit zwei Flutlichtstrahlern. Zur feuerwehrtechnischen Beladung gehören u.a. Hydraulikaggregat, Rettungsschere, Spreizer, Elektrowerkzeug, Kettensäge, Trennschleifer, Stahlseile und Schäkel, Kabeltrommeln, Winden, Äxte, Schaufeln, etc.
RW 1 haben eine Truppbesatzung (1:2). Das zul. GG beträgt 9000 kg, das Fahrgestell hat Allradantrieb.

RW 1 FF Messel

Rüstwagen RW 1 der FF Messel (Kreis DA-DI)
(Foto: Klaus Schmitt)

RW 2:
RW 2 dienen zur Durchführung nahezu aller Technischen Hilfeleistungen, auch größeren Umfangs. Sie sind überwiegend bei Berufs- und Werkfeuerwehren zu finden. Der RW 2 besitzt eine festeingebaute maschinelle Zugeinrichtung (50 kN), einen festeingebauten Generator (15-20 kVA) sowie einen am Heck montierten, teleskopierbaren Lichtmast mit zwei Flutlichtstrahlern. Die feuerwehrtechnische Beladung ist umfangreicher als die des RW 1 (z.B. zus. tragbarer Stromerzeuger, Be-/Entlüftungsgerät, Hydrozylinder, Brennschneidgerät, Rüsthölzer, Hebe- und Dichtkissen, etc.). Auf dem Dach wird ein Schlauchboot mitgeführt.
RW 2 haben eine Truppbesatzung (1:2). Das zul. GG beträgt 12000 kg, das Fahrgestell hat Allradantrieb.

RW 2

Rüstwagen RW 2
(Foto: Fa. Albert Ziegler)

RW 3:
RW 3 sind in Hessen nicht mehr genormt. Auch sie sind fast nur bei Berufs- und Werkfeuerwehren zu finden. Sie entsprechen in etwa dem RW 2, allerdings ist ihre Ausrüstung noch umfangreicher. Die festeingebaute maschinelle Zugeinrichtung hat eine Zugkraft von 150 kN.
RW 3 haben Trupp- oder Staffelbesatzung (1:2, bzw. 1:5). Das zul. GG beträgt 16000 kg, das Fahrgestell hat Allradantrieb.

RW 3 BF Darmstadt

Rüstwagen RW 3-Staffel der BF Darmstadt
(Foto: Klaus Schmitt)

RW-Schiene
Diese Fahrzeuge stellen eine Besonderheit dar: Sie sind in der Lage, durch einen unter dem Fahrzeug montierten absenkbaren Gleissatz auch auf Schienen und damit in U-Bahntunnels zu fahren! Zu finden sind solche Fahrzeuge u.a. bei den Berufsfeuerwehren in Frankfurt/M., Stuttgart und Bonn. Im Einsatzfall werden sie überirdisch aufgegleist und können dann, angetrieben durch die Hinterräder, in U-Bahntunnels einfahren.

RW-Schiene der BF Frankfurt

Rüstwagen RW-Schiene der BF Frankfurt (Hessen)
Neben einer "normalen" Rüstwagenbeladung verfügt dieses Fahrzeug zusätzlich über besondere Geräte für Unfälle in der U-Bahn. Für alle Besatzungsmitglieder stehen in der Kabine Atemschutzgeräte zur Verfügung. Wegen der Enge in den Tunnels der U-Bahn sind auf beiden Seiten des schmaler gehaltenen Geräteaufbaus "Laufstege" vorhanden, die durch Türen in der Kabinenrückwand erreicht werden können. Diese Laufstege erleichtern die Entnahme der Geräte, dienen aber auch zum Transport von verletzten Personen oder zusätzlichen Geräten.
Am Heck des Fahrzeuges befindet sich eine Ladebordwand. Der RW-Schiene wird natürlich nicht nur in der U-Bahn, sondern auch bei "normalen überirdischen" Schadensfällen (Verkehrsunfälle, etc.) eingesetzt.
(Foto: Andreas Schulz)


Voraus-Rüstwagen VRW

VRW werden von vielen Freiwilligen und Berufsfeuerwehren zur schnellen Technischen Hilfeleistung (z.B. bei Verkehrsunfällen) eingesetzt. Sie sind in Hesen allerdings nicht genormt. Verwendet werden meist geländegängige PKW und Kleintransporter, die aufgrund ihrer kleinen Bauweise und dem damit geringeren Gewicht schneller und wendiger sind als die Großfahrzeuge und im dichten Verkehr Einsatzstellen oft schneller erreichen können. Sie verfügen über einen festeingebauten Generator und sind ausgerüstet mit hydraulischem Rettungswerkzeug (Schere, Spreizer, Hydrozylinder), Materialien für Erste Hilfe und oft auch mit kleinen Löschanlagen (Pulver, "Lightwater" oder auch Wasser). Die Besatzung besteht aus 2-3 Personen.

Voraus-Rüstwagen VRW

Voraus-Rüstwagen VRW
(Foto: Fa. Albert Ziegler)


Gerätewagen

Gerätewagen (GW) könnte man auch als "Rüstwagen für spezielle Einsatzgebiete" bezeichnen. Sie werden unterschieden nach ihrem Verwendungszweck.

Gerätewagen Atemschutz (GW-AS)
Bei fast allen Brand- und Gefahrguteinsätzen werden giftige Gase und/oder Dämpfe freigesetzt. Um sich vor diesen Giften zu schützen, rüsten sich die Feuerwehrleute mit umluftunabhängigen Atemschutzgeräten aus, die auf fast allen Einsatzfahrzeugen mitgeführt werden. Bei größeren, lange dauernden Einsätzen reicht die Kapazität der vorhanden Atemschutzgeräte, Atemluftflaschen und Masken jedoch meist nicht aus. Für diesen Fall werden "Gerätewagen Atemschutz" (GW-AS) vorgehalten. Sie führen eine große Anzahl von Geräten, Flaschen und Masken mit und sind darüber hinaus meistens auch dafür ausgerüstet, leere Flaschen zu füllen und gebrauchte Masken zu reinigen.

GW-AS BF Darmstadt

Gerätewagen Atemschutz GW-AS der BF Darmstadt
(Foto: Klaus Schmitt)

Gerätewagen Gefahrgut (GW-G)
Der Transport von gefährlichen Gütern (giftige und/oder umweltgefährdende Stoffe wie Säuren, Laugen, Lösungsmittel, Mineralöle, etc.) auf unseren Straßen, Schienen- und Wasserwegen nimmt immer mehr zu, und so kommt es auch vermehrt zu Unfällen, an denen Fahrzeuge, die solche Güter transportieren, beteiligt sind. Auch bei Bränden und Unfällen in Industriebetrieben kommt es vermehrt zur Freisetzung solcher Stoffe. Für diese Fälle werden bei den Feuerwehren "Gerätewagen Gefahrgut" vorgehalten. Sie sind ausgestattet mit allen nötigen Materialien und Werkzeugen, um die Gefährdung von Menschen, Tieren und Umwelt durch o.a. Gefahrstoffe im Ernstfall so gering wie möglich zu halten (z.B. Schutzanzüge, Atemschutzgeräte, Auffangbehälter, Dichtkissen, Spezialpumpen, Bindemittel, Spür-und Analysegeräte, etc.)
Gerätewagen Gefahrgut werden nach Größe und Umfang der Beladung unterschieden in GW-G1 (zul. GG 7500 kg) und GW-G2 (zul. GG 9000 kg). Sie werden mit einem Trupp (1:2) besetzt. Die Fahrgestelle haben Straßenantrieb.

GW-G1 FF Babenhausen

Gerätewagen Gefahrgut GW-G1 der FF Babenhausen (Kreis DA-DI)
(Foto: Klaus Schmitt)

GW-G2 FF Pfungstadt

Gerätewagen Gefahrgut GW-G2 der FF Pfungstadt (Kreis DA-DI)
(Foto: Andreas Schulz)

Gerätewagen Strahlenspürtrupp (GW-StrSpTr)
Dieses Fahrzeug ist ausgerüstet mit Gerätschaften und Materialien zur Aufspürung, Messung und Probeaufnahme von radioaktiver Strahlung und sonstigen Schadstoffen. Zur Ausstattung gehören u.a. Kernstrahlungsmeßgeräte, Prüfstrahler, Folienschweißgerät, Fachliteratur, Windmesser, Stromerzeuger, Warnschilder, etc.

GW-StrSpTr des LK Darmstadt-Dieburg

Gerätewagen Strahlenspürtrupp GW-StrSpTr des Landkreises Darmstadt-Dieburg.
Das Fahrzeug ist stationiert bei der FFw Weiterstadt/Gräfenhausen
(Foto: Andreas Schulz)

Gerätewagen Wasserrettung / Gewässerschutz
Diese Fahrzeuge werden von Feuerwehren vorgehalten, zu deren Einsatzgebieten Flüsse oder Seen gehören. Sie werden eingesetzt zur Rettung und Bergung von Menschen, Tieren und Sachen aus Gewässern, aber auch zum Schutz dieser Gewässer vor wassergefährdenden Stoffen (z.B. Öl, Chemikalien, etc.). Größe, Art und Beladung solcher Fahrzeuge unterliegen keiner Norm und sind damit je nach den Bedürfnissen der jeweiligen Feuerwehr unterschiedlich. Zur Ausrüstung gehören u.a. meistens Tauchgeräte mit entsprechenden Anzügen, Überlebensanzüge, Eisrettungsgeräte, Leitern, Leinen, Beleuchtungsgeräte, Stromerzeuger, etc. Für den Gewässerschutz werden auf den Fahrzeugen oft auch Ölschlängel, Skimmer und Bindemittel mitgeführt. Ein Boot ist entweder auf dem Fahrzeug selbst oder auf einem mitgeführten Anhänger verlastet. Die Fahrzeuge haben in den meisten Fällen einen Allradantrieb.

GW-W der FF Maintal (Hessen)

Gerätewagen Wasserrettung der FF Maintal (Hessen)
(Foto: Andreas Schulz)

Bootswagen der BF Frankfurt

Bootswagen der BF Frankfurt (Hessen)
Diese Fahrzeug verfügt über ein auf dem Aufbaudach verlastetes Boot sowie einen Ladekran am Heck.
(Foto: Andreas Schulz)

Taucherwagen der BF Frankfurt

Taucherwagen der BF Frankfurt (Hessen)
Eine Besonderheit bei diesem Fahrzeug ist eine mitgeführte Dekompressionskammer. Sie wird bei Tauchunfällen, aber auch zur Behandlung von Personen mit Rauchgasvergiftungen eingesetzt.
(Foto: Andreas Schulz)

Gerätewagen Nachschub (GW-N)
Diese Fahrzeuge dienen zum Transport von Materialien zur Einsatzstelle (z.B. Schlauchmaterial, Schaummittel, Sandsäcke, Absperrmaterialien, oder auch Verpflegung bei lang andauernden Einsätzen). Verwendet werden meistens LKW mit Pritsche und Plane, die zum leichten Beladen des Fahrzeugs über eine hydraulische Ladebordwand verfügen.

GW-N FF Münster

Gerätewagen Nachschub GW-N der FF Münster (Kreis DA-DI)
(Foto: Klaus Schmitt)

Gerätewagen Licht (GW-L)
GW-L dienen zum Ausleuchten und zur Stromversorgung von Einsatzstellen. Sie sind ausgerüstet mit einem telekopierbaren Lichtmast, an dessen Spitze sich 7-8 Halogenstrahler befinden. Auf dem Fahrzeugaufbau befindet sich ein Generator, der von einem eigenen Motor angetrieben wird.

GW-L BF Darmstadt

Gerätewagen Licht GW-L der BF Darmstadt
(Foto: Klaus Schmitt)

Andreas Schulz 6.10.1998